Leute aus der Region

Anette Schnoor: Schietwetter, Seelenbilder und ein bisschen Blattgold

Mit ihren Bildern verbindet Anette Schnoor typische Küstenstimmungen: die Weite des Meeres, die Kraft des Segelns und die Intensität einer Regatta im Regen.

Hier an der Küste, wo der Blick übers Wasser schweift, öffnen sich Räume für Gedanken, Erinnerungen und Emotionen.
Es sind diese inneren Räume, die Anette Schnoor mit ihren Arbeiten einfängt – atmosphärisch, intuitiv und berührend.

1969 im Rheinland geboren, fand die Autodidaktin früh zur Kunst als Ausdrucksmittel – in Momenten, in denen die Sprache fehlte, in denen die Einsamkeit zu groß oder Emotionen zu stark waren. Später kehrte sie zu den Wurzeln ihrer Familie nach Flensburg zurück und fand schließlich in Langballig eine Heimat. So sind ihre Motive geprägt von der Liebe zum Land am Meer. Sie zeigen Regatten, Küstenlandschaften, maritime Lichtstimmungen und norddeutsches Schietwetter. Auch die abstrakten Arbeiten haben Bezug zur Region – so, wie bei »Regnet Gold II«, wo Acryl, Blattgold, Marmormehl und Kreide zu einer poetischen Komposition verschmelzen. »Das Bild ist im Frühjahr 2025 entstanden, als ein Nachbar sich mit Blick auf die kommende Ernte freute ‚heute regnet es Gold‘. Zuvor hatte tagelang die Sonne geschienen.«

Anette Schnoor bei der Arbeit im Atelier – hier entstehen ihre atmosphärischen »Seelenbilder«. Foto: Julia Voigt

Schnoors Malerei folgt keinem kalkulierten Konzept, sie entsteht in einem emotionalen Prozess. Die Technik – »Seelenbildnerei« – basiert auf dem freien Fluss von Farben und Formen auf speziell grundierten Leinwänden. Es entstehen Arbeiten zwischen innerer Welt und äußerer Wahrnehmung. Oft sind sie eigenwillig, lassen sich am ehesten als atmosphärischer Expressionismus einordnen, durchzogen von impressionistischen und lyrischen Elementen. Manche sind klein und günstig, andere groß und haben ihren Preis. »Kunst«, sagt die Malerin, »wird neben dem Künstlerfaktor schlicht nach Größe berechnet. Das musste ich erst lernen.«

Erst mit über 50 Jahren wagte Anette Schnoor als Malerin den Schritt in die Öffentlichkeit. Seither haben ihre »Seelenbilder« die Herzen vieler Betrachter berührt – zunächst auf Ausstellungen in der Region, in Flensburg, Tarp und Schleswig. Seit Neuestem auch online auf der Künstler-Plattform Singulart.com. Die positive Resonanz auf ihre Arbeiten freue sie sehr, »aber sie hat mich auch verblüfft«, sagt die 55-Jährige, die in ihrem »vernünftigen« Berufsleben ihre Brötchen als Journalistin, Rechtsanwältin und Coach verdient. »Als ich dann mein erstes Bild verkauft habe, konnte ich kaum glauben, dass sich da eine neue Möglichkeit auftut.« Das war gleich nach der ersten Gruppenausstellung »SichtBar« in der Flensburger Walzenühle 2024. »Was bin ich dankbar für die freundschaftlichen Anstöße, mich an dieser Ausstellung zu beteiligen und ganz besonders dankbar auch für die unglaubliche Unterstützung einer Freundin, die inzwischen schon einige Arbeiten für ihre Schleswiger Kanzlei gekauft hat. Da kommst Du rein und – wow – da hängt ein Bild von Dir!«

Kann sie von ihrer Kunst leben? »Da bin ich sicherlich noch nicht. Aber ich träume davon und ich arbeite dran, mir diesen Traum zu verwirklichen«, sagt Anette Schnoor und setzt mit einem Augenzwinkern hinzu: »Es ist ja bald Weihnachten und so ein Bild ist doch ein schönes Geschenk.«

www.anetteschnoor.de

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